Parteiloser Bürgermeister für Riedstadt

 

      

 

Aktuelles


 

Quelle: Ried Echo vom 23.05.2005

 

Erfelden und Crumstadt kosten Kummer die Mehrheit
Bürgermeisterwahl: Der erste Wahlgang bringt keine Entscheidung – Kummer und Bunk stellen sich am 12. Juni zur Stichwahl – Nur rund die Hälfte der Riedstädter gibt ihre Stimme ab

leer

 

leer

 

 

RIEDSTADT. Es blieb spannend bis zum Schluss. In der Cafeteria des Rathauses in Goddelau, die zum Informationszentrum umgewandelt worden war, raunte es gestern Abend nach jedem weiteren Einzelergebnis aus einer anderen Ecke. Als 16 Wahlbezirke ausgezählt waren, hatte Amtsinhaber Gerald Kummer schon 49,9 Prozent der Wählerstimmen erreicht und damit hoffen können, es werde keine Stichwahl geben. Doch es blieb letztendlich für ihn bei 49,2 Prozent. Die Riedstädter müssen sich also am 12. Juni noch einmal auf den Weg in ihre Wahllokale machen.

CDU-Kandidat Matthias Bunk hatte 33,1 Prozent der Riedstädter Wähler hinter sich und ist damit Kummers Gegenkandidat in der Stichwahl. Uwe Hasenzahl von der Bürgerinitiative gegen Forensik (BI) kam auf 12,8 Prozent, und Michael Kassner fuhr für die freie Wählergemeinschaft WIR 4,9 Prozent der Stimmen ein. Die Wahlbeteiligung war mit 52,7 Prozent nur mäßig – auch im Vergleich zur Bürgermeisterwahl vor sechs Jahren (56,2 Prozent) als Kummer gegen den Leeheimer Klaus Dieter Jung (CDU) mit 55,2 Prozent siegreich geblieben war.

Die Ergebnisse in den Ortsteilen weichen deutlich voneinander ab. In Wolfskehlen und Leeheim beispielsweise hatte Kummer mit 55,3 beziehungsweise 52,4 Prozent die absolute Mehrheit schon erreicht; die Goddelauer stimmten zu 49,5 Prozent für ihn. In Crumstadt und Erfelden lag er zwar immer noch vorn, konnte aber nur 43,6 beziehungsweise 43,8 Prozent der Wählerstimmen auf sich versammeln.

Matthias Bunk hat in Erfelden am besten gefallen: Er lag dort mit 40,6 Prozent nur 47 Stimmen hinter dem Amtsinhaber. Und auch in Leeheim kam er auf 35,6 Prozent. Sein schwächstes Ergebnis hatte er in Goddelau mit 28,7 Prozent. Insgesamt hat er seinem Gegner aber nur 1350 Stimmen Vorsprung gelassen.

Das Thema Forensik, das Uwe Hasenzahls Schwerpunkt war, wog wohl in Crumstadt am schwersten: Der BI-Kandidat erreichte dort 20,2 Prozent der Wählerstimmen; allerdings war dort die Wahlbeteiligung mit 50,6 Prozent am geringsten. Auch in Goddelau (15,6 Prozent) und Erfelden (12,2 Prozent) kamen die Themen der BI gut an.

„Natürlich wäre es mir lieber gewesen, ich hätte ein Prozent mehr Stimmen bekommen“, meinte Gerald Kummer, als das Wahlergebnis feststand. Doch immerhin habe er mit 1350 Stimmen einen nicht unbeträchtlichen Vorsprung vor seinem Mitbewerber. „Ich werde in den nächsten drei Wochen darum kämpfen, vorne zu bleiben.“ Und er wolle mehr Wähler zum Urnengang motivieren.

Matthias Bunk zeigte sich sehr zufrieden mit dem Ausgang der Wahl. „Die Riedstädter haben ein eindeutiges Zeichen gesetzt, dass sie den Wechsel wollen“, meinte er gegenüber dem ECHO. In der Stichwahl sei jedoch „alles wieder offen“. Er werde seinen Wahlkampf weiter so führen wie bisher und hoffe, dass er damit erfolgreich sei.

 

ute
23.5.2005

 

 

Stimmen zur Wahl

leer

 

leer

 

 

RIEDSTADT. „Eigentlich ist genau das herausgekommen, womit alle gerechnet haben“, kommentierte Mitbewerber Michael Kassner (WIR) das Wahlergebnis. Über sein eigenes Abschneiden verlor er kein Wort. „Aber die Stichwahl, die wird wirklich spannend.“ Er meinte auch: „Viele Leute, mit denen ich gesprochen habe, halten den Bürgermeister eigentlich für gar nicht so schlecht; aber sie sagen, er brauchte mal einen Denkzettel.“

CDU-Fraktionsvorsitzender Günter Schork zeigte ganz offen seine Freude darüber, dass Gerald Kummer die absolute Mehrheit verfehlt hat: „Dass wir nach zwölf Jahren Amtszeit den Amtsinhaber in die Stichwahl gezwungen haben, ist eindeutig ein Erfolg für uns und für ihn eine ganz klare Niederlage. Wir werden das Potenzial der CDU-Wähler in den nächsten drei Wochen weiter ausschöpfen und gehen zuversichtlich in die Stichwahl.“

Auch Bundestagsabgeordneter Gerold Reichenbach (SPD) war als moralische Unterstützung im Rathaus erschienen. Er fand es „schade, dass es nicht gereicht hat“. Aber er werde Kummers Wahlkampf weiterhin tatkräftig unterstützen.

Norbert Schaffner von der Grünen Liste brachte es auf den Punkt: „Es ist schlechter ausgegangen als gehofft, aber besser als befürchtet.“ Jetzt müsse man darauf setzen, dass ja noch drei Wochen Wahlkampf bleiben.

Erste Beigeordnete Erika Zettel (SPD), die die Wählerinitiative für Kummer mit organisiert, war gestern Abend „total enttäuscht“. Dabei seien sie und ihre Mitstreiter doch regelrecht „überschwemmt“ worden mit Unterstützer-Angeboten.

Manfred Zipp, Vorsitzender der WIR, gab ebenfalls ein Statement ab: „Die WIR wollte die Wende für Riedstadt. Aus eigener Kraft hat sie es nicht geschafft. Aber sie wird jetzt den CDU-Kandidaten Matthias Bunk im Wahlkampf unterstützen. Das Ganze hier war für uns auch ein bisschen ein Stimmungsbarometer für die kommende Kommunalwahl.“

Hochzufrieden mit dem Wahlergebnis war auch Uwe Hasenzahl (BI Forensik): „Wir haben den Wahlkampf des kleinen Mannes geführt; wir hatten ja nur einen Etat von 500 Euro. Aber wir haben es mit erreicht, dass Kummer in die Stichwahl muss. In den nächsten drei Wochen werden wird die CDU und ihren Kandidaten Bunk unterstützen.“

 

ute
23.5.2005

 

Kommentar

Forensik beeinflusst Wahl

leer

 

leer

 

 

Das war fast nicht anders zu erwarten – Amtsbonus hin, rot-grüne Mehrheit im Riedstädter Parlament her. SPD-Bürgermeister Gerald Kummer muss am 12. Juni in die Stichwahl mit dem CDU-Kandidaten Matthias Bunk, auch wenn die Entscheidung knapp war.

Bei der Direktwahl 1999 hatte Kummer bei nur einem Gegenkandidaten aus den Reihen der CDU mit rund 55 Prozent gewonnen. Dieser Vorsprung war nicht so komfortabel, als dass er auch für drei Mitbewerber gereicht hätte. Zumal die Zeiten in den vergangenen Jahren härter geworden sind – für Kommunen und für diejenigen, die dort politische Verantwortung tragen.

In Riedstadt kam der Umstand hinzu, dass die geplante forensische Klinik seit über einem Jahr die Gemüter bewegt. Dass sie dies noch immer tut, zeigten Wurfsendungen an die Haushalte kurz vor der Wahl. Aus dem Protest gegen den Bau erwuchs die Bürgermeisterkandidatur Uwe Hasenzahls. Und dessen gutes Ergebnis zeigt, dass viele auch nach der Entscheidung der Landesregierung für die Klinik die Vorgeschichte samt Bürgerentscheid in Riedstadt nicht vergessen haben. Auch nicht die Haltung der Gemeinde, die erklärte, nichts mehr gegen die Klinik tun zu können.

So ist der Achtungserfolg des BI-Kandidaten zu erklären (der Kummer entscheidende Stimmen kostete), zumal sich Hasenzahl im Wahlkampf auch um andere Themen gekümmert hat. Er stellte den zweiten Kandidaten ohne große Partei im Rücken, Michael Kassner von der WIR, damit in den Schatten. Kassner blieb relativ farblos. Zwar kam er öfters von seinem Wohnort Kastellaun ins Ried und sprach mit den Leuten, erreichte aber offenbar damit nur einen kleinen Teil der Riedstädter. Und das Thema Forensik war durch die BI bereits besetzt.

Rein rechnerisch hätte es eine Mehrheit für Gerald Kummer geben können – empfahl die Grüne Liste doch seine Wiederwahl; SPD und GLR hatten bei der Kommunalwahl 2001 zusammen 55,4 Prozent der Stimmen erhalten. Diese Mehrheit wurde am Sonntag nicht erreicht. Die Menschen in der Gemeinde merken, dass manche von der Koalition gepriesenen Standards möglicherweise nicht mehr bezahlbar sind. Matthias Bunk (CDU) hat vor der Wahl klar gesagt, welche Ausgaben er als Bürgermeister überprüfen würde. Eine nicht unerhebliche Zahl von Wählern hat dokumentiert, dass sie neue Ansätze in der Verwaltung befürworten würde.

Nun bleibt die Stichwahl abzuwarten und zu schauen, ob die Wahlbeteiligung höher wird, ob die SPD-/Kummer-Anhänger dann stärker zusammenhalten als gestern oder ob sich eine Mehrheit mit dem CDU-Mann anfreunden kann. Denn was BI und WIR einte, die Gegnerschaft gegenüber der Forensik, ist nicht das Hauptthema der CDU. Dort steht die Haushaltskonsolidierung obenan.

 

Angelica Taubel
23.5.2005

 

 

   

                                                                                                                                      zurück

 

 

          Last Update: 23.05.2005 12:18

Design and powered by: Office & Management - Manfred Zipp - manfred.zipp@t-online.de