Parteiloser Bürgermeister für Riedstadt

 

      

 

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Quelle Ried-Echo vom 27.04.2005

 

Drei wollen im Rathaus sparen
Podiumsdiskussion: Vier Riedstädter Bürgermeisterkandidaten stellen sich in der Goddelauer Christoph-Bär-Halle vor

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RIEDSTADT. Das Interesse war groß an der gemeinsam vom Verband Riedstädter Gewerbevereine und ECHO veranstalteten Podiumsdiskussion am Montagabend in der Christoph-Bär-Halle. Verbandsvorsitzender Ralf Zeltner begrüßte fast 300 Zuhörer, denen ECHO-Redakteur und Moderator Michael Horn anschließend die vier Bürgermeisterkandidaten vorstellte: Amtsinhaber Gerald Kummer (SPD), Michael Kassner (WIR), Uwe Hasenzahl (BI gegen Forensik) und Matthias Bunk (CDU). Sie bezogen in zweieinhalb Stunden zu den Themen Finanzen, Gewerbe und Forensik Stellung und beantworteten Fragen aus dem Publikum.

Zum Beispiel die, was eine Aufstufung Riedstadts zum Mittelzentrum bewirken könnte. Oder was die Gemeinde gegen eine Verödung der Ortskerne tun kann und wie sich einheimische Betriebe besser an Bauvorhaben beteiligen lassen. Uwe Hasenzahl und Matthias Bunk betonten, die frühzeitige Beteiligung der von einem Vorhaben Betroffenen sei wichtig. Ein Profil der Schwächen und Stärken sei nötig, um zu entscheiden, wohin es gehen soll in Riedstadt, so Hasenzahl: zum Ort mit ländlichem Charakter oder zum Mittelzentrum.

Michael Kassner nannte es grundsätzlich positiv, dass in Wolfskehlen ein neues Gewerbegebiet entstehen soll, doch dürften bestehende deswegen nicht sterben. Gerald Kummer sagte, dieses neue Gebiet solle gerade dazu dienen, Kaufkraft nach Riedstadt zurückzuholen. Davon profitierten auch die bestehenden Läden.

Auch wenn Matthias Bunk sich nicht davon abbringen ließ, dass die Beteiligung der Gewerbetreibenden zu spät gekommen sei, betonte Kummer, dass die Riedstädter im Vorfeld der Entscheidungen sowohl das zum Thema „Auf dem Forst“ erstellte Einzelhandelsgutachten präsentiert bekamen als auch beim Regionalplan-Abweichungsverfahren gefragt waren.

Was die Auftragsvergabe an Unternehmen angehe, sagte Kummer, er handele nach Recht und Gesetz; nehme die Gemeinde bei einem Projekt öffentliche Zuschüsse in Anspruch, sei keine „freihändige Vergabe“ möglich. Bunk entgegnete, dennoch könne man mehr tun: zum Beispiel mit einer Wirtschaftsförderungsstelle. Und: „Mir schwebt ein Gewerberegister vor“, so dass Riedstädter Betriebe besser in Projekte eingebunden würden.

Der amtierende Bürgermeister sagte, so etwas sei bereits im Entstehen, auch die Internet-Seiten von Gemeinde und Gewerbe würden vernetzt. Die Gemeinde mache Handwerksbetriebe sogar telefonisch auf zu ihnen passende Vorhaben aufmerksam, damit sie sich auf die Ausschreibung bewerben können. Dennoch wollten auch Hasenzahl und Kassner mehr: eine Art „Gewerbe-Lotsen“, der als Ansprechpartner zur Verfügung steht und informiert, für mehr Service und eine besser Zusammenarbeit sorgt.

Gerald Kummer erteilte auf eine gezielte Frage hin Hoffnungen eine Absage, er könnte sich für eine niedrigere Gewerbesteuer in Riedstadt einsetzen, um den Unternehmen im Wettbewerb zu helfen: „Ich stelle mich heute nicht hierhin und verspreche Dinge, die ich hinterher nicht halten kann“.

Schließlich sei die Gemeinde auf Einnahmen angewiesen, wie die Diskussion über die Haushaltslage zeigte. Matthias Bunk erinnerte an die Ermahnung des Landrats, Riedstadt müsse die Notbremse ziehen und sparen. Davon sei indes bisher nichts zu merken, kritisierte er. Das Problem sei dann in einigen Jahren das riesige kumulierte Defizit.

Uwe Hasenzahl sprach aus seiner beruflichen Erfahrung in der Privatwirtschaft: „Wir mussten die Ausgaben gravierend runterschrauben.“ Das müsse auch in Kommunen möglich sein, indem man Standards senke und die Verwaltung verkleinere (dabei natürliche Fluktuation nutzend). Sparmöglichkeit in seinen Augen ist auch das Crumstädter Schwimmbad, das die Gemeinde „loswerden“ sollte und dennoch erhalten – indem sich etwa ein Förderverein darum kümmert, statt die Kommune. Auch Michael Kassner will wie Bunk im Rathaus sparen, indem er die Mitarbeiter mit differenzierter Arbeitszeit einsetzt. Beide sprachen sich für eine effizientere Verwaltung aus. Gerald Kummer hingegen meinte, man müsse in wirtschaftlich schwierigen Phasen für eine bestimmte Zeit einen „nicht gedeckten Haushalt akzeptieren“. Die Konjunktur springe nicht an, „wenn wir nur sparen und Schulden abbauen“. Im Gegenteil, Investitionen der Kommunen seien wichtig. Auch betonte er, dass die Gemeinde nur einen sehr geringen Teil ihrer Ausgaben selber beeinflussen könne und dass Schulden nicht gleich Überschuldung seien, wenn ihnen gutes Vermögen gegenüberstehe.

Die Kernverwaltung in Riedstadt sei in den vergangenen zehn Jahren geschrumpft; dass das Personal in den Kindertagesstätten dagegen deutlich zunahm, verteidigte Gerald Kummer, der bei den Ausgaben für Familien nicht sparen will.

tau
27.4.2005

     

 

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          Last Update: 05.05.2005 17:28

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