Parteiloser Bürgermeister für Riedstadt

 

      

 

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Quelle Ried-Echo vom 28.04.2005

 

Kummer: Nicht mit Angst Wahlkampf machen
Podiumsdiskussion: Geplante forensische Klinik des Landeswohlfahrtsverbands ist eines der Schwerpunktthemen

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RIEDSTADT. Die geplante forensische Klinik auf dem Areal des Zentrums für Soziale Psychiatrie war ein Thema bei der Podiumsdiskussion mit den vier Bürgermeisterkandidaten, die das ECHO und der Verband Riedstädter Gewerbevereine organisierten (wir berichteten). Matthias Bunk (CDU) sagte, die Menschen hätten sich vom Bürgerentscheid, der gegen die Klinik ausging, mehr erhofft. Doch zurückzublicken nutze wenig. Er würde als Bürgermeister sofort Mitglied des Forensikbeirats werden, um auch auf diesem Weg für eine möglichst hohe Sicherheit der Bevölkerung zu sorgen. Wenn einmal eine Entweichung aus der Klinik vorkomme, müsse es ein gut funktionierendes Alarmierungssystem für die Anwohner geben.

Für Uwe Hasenzahl (BI gegen Forensik) ist der inzwischen eingerichtete Forensikbeirat ein zahnloser Tiger, weil er nur berate und begleite, ohne Sanktionsbefugnisse zu haben. Angesichts des mittlerweile erreichten Stands der Dinge ist Hasenzahl klar, dass gegen die Klinik nicht mehr viel unternommen werden kann. „Wir konnten die Gemeinde nicht zwingen, mehr zu tun. Aber sie hätte gekonnt, wenn sie gewollt hätte“, meinte er. Er setze sich nun dafür ein, dass die Klinik eine Bettenzahlbegrenzung erhält und dass die in seinen Augen nicht therapierbaren Patienten keine Vollzugslockerung bekommen.

Michael Kassner (WIR) machte seine klare Ablehnung der Forensik deutlich. In seinen Augen hat es am politischen Druck aus Riedstadt auf die Entscheidungsträger gefehlt. Aus der Erfahrung der BI-Arbeit heraus bezweifelte Uwe Hasenzahl, dass sich nach der Enttäuschung – dem Ausgang des Bürgerentscheids zum Trotz soll die Klinik in Riedstadt gebaut werden – noch viele Menschen zu Demonstrationen hätten motivieren lassen.

Gerald Kummer (SPD) betonte, dass die Gemeinde das Land Hessen deutlich auf den Ausgang des Bürgerentscheids hingewiesen habe. Die Landesregierung habe dennoch keinen Abstand vom Standort Riedstadt genommen. Auch das Baurecht habe keine Möglichkeit geboten, gegen die Klinik vorzugehen, so Kummer. Daher bleibe nun, die Menschen „aufzuklären und mitzunehmen“ sowie die höchstmögliche Sicherheit vor psychisch kranken Straftätern zu gewährleisten, die in Riedstadt therapiert werden sollen. Daran arbeite auch der Forensikbeirat mit.

Mit der Angst von Menschen sollte kein Wahlkampf geführt werden, sagte Kummer. Auf die Frage eines Bürgers nach seinem Demokratieverständnis wiederholte er, der Bürgerentscheid habe in Riedstadt Bedeutung gehabt, aber nicht auf Landesebene.

Eine Frau fragte, wie man sich und seine Kinder schützen könne, sie fühle sich ausgeliefert. Und ob es einen „Maßnahmenkatalog“ gebe, wie man mit psychisch Kranken umgeht. Solche Fragen seien ernst zu nehmen und sollten im Forensikbeirat behandelt werden, antwortete der SPD-Kandidat. Auch sei wichtig, „ganz früh anzufangen, gute pädagogische Arbeit zu leisten“, um generell die Gefahr von Straftaten und gesellschaftlicher Schieflage zu verringern. Matthias Bunk stimmte Kummer darin zu, meinte, dass die Familien in der Verantwortung stünden, die durch die Jugendarbeit in den Vereinen unterstützt würden. Diese sei noch wichtiger als gemeindliche Jugendpflege.

Für Uwe Hasenzahl gab das Thema Forensik den Anstoß, sich als Bürgermeisterkandidat zu bewerben. Doch, so erklärte er, sollten die Bürger ihn nicht wählen, wenn es ihnen allein um diese Frage gehe. Er habe auch andere Dinge im Programm, die ihm wichtig seien: geringere Kita-Gebühren, ein Naturkindergarten, Dorferneuerung Crumstadt (Finanzierung). Er sei zwar kein Verwaltungsmann, doch habe er in seinem Beruf gelernt, Personal zu führen und Verantwortung zu übernehmen.

Ihre berufliche Qualifikation betonten auch die beiden auswärtigen Kandidaten Michael Kassner (Betriebswirt und Ausbilder) und Matthias Bunk (Führungsassistent im Polizeipräsidium Osthessen). Bunk, der Riedstadt seit Ende des Jahres 2004 häufig besuchte, gefällt die Offenheit der Menschen, wie er sagte. Er sähe als CDU-Bürgermeister kein Problem darin, dass es im Parlament eine rot-grüne Mehrheit gibt. Ein Bürgermeister sei Vermittler, müsse sich Mehrheiten suchen. Zudem könnte seine Wahl ein Signal für Veränderungen bei der Kommunalwahl im Frühjahr 2006 sein.

Bürgermeister Gerald Kummer kandidiert für eine dritte Amtszeit, weil in den vergangenen Jahren zwar viel erreicht worden sei, es aber noch viel zu tun gebe und er sich weiter zuverlässig um die Belange der Gemeinde kümmern wolle, sagte er.

tau
28.4.2005

    

 

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          Last Update: 05.05.2005 17:29

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